Rund um den Belchen

Wenn man von Bergen im Schwarzwald spricht, kommt immer zuerst der Feldberg. Von der Höhe her mit 1.493 Metern wohl zu recht, von der touristischen Erschließung sicher auch. Aber von der Optik und vom Wohlbefinden bestimmt nicht. Kahl, meist kalt und windig ist es da oben. Ansprechender dagegen ist der Belchen, der mit 1.414 Metern vierthöchste Berg des Schwarzwaldes. Mit dem Motorrad dort hinauf und drum herum zu fahren ist der reinste Kurvenhimmel! OK, ganz nach oben muss man mit der Gondelbahn (oder zu Fuß, was sich im Motorrad-Dress ausschließt), aber auf einer Rundtour fährt man kleine und kleinste Straßen mit meist gutem Belag und einer schier unendlichen Anzahl unterschiedlichster Kurven. Herz was willst Du mehr…?

Wir starten zu unserer 140 km-Tour rund um den Belchen bei durchaus gemischtem Wetter. Die Wolken hängen tief in den Baumwipfeln und einzelne Regentropfen lassen sich auf dem Visier nieder. Aber das ändert sich, als wir Todtmoos verlassen haben und hinter Präg bei Geschwend links auf die B31 abbiegen. Wie das Wetter von einem zum anderen Tal doch unterschiedlich sein kann.

Wir parken an der Belchenbahn-Talstation

Nach etwa einem Kilometer geht es dann hinter Utzenfeld auf die L142 rechts ab, hinauf zum Belchen. Dort parken wir unsere Maschinen unterhalb der Belchenbahn, schließen Helme und Tankrucksäcke im Skischrank ein und fahren hinauf, um im Belchenhaus eine Kleinigkeit zu essen und die Aussicht zu genießen.

Aussicht vom Belchen

Wir sind ja bekanntlich keine Frühaufsteher und jetzt ist es nach den paar Kilometern doch schon Mittagszeit. Eine Dreiviertelstunde später vertreiben uns Lieferwagen, die Eis und Lebensmittel bringen und sich mit ihren lärmenden Klimaanlagen genau vor der Terrasse des Restaurants aufgebaut haben. Schluss mit Ruhe und schöner Aussicht. Also bummeln wir mit der Gondel wieder zur Talstation und machen uns auf den Weg.

Das Belchenhaus

Unzählige Kurven haben wir jetzt vor uns bis ins Münstertal. Die Sonne lacht vom Himmel und die Straße, gut ausgebaut und kaum befahren, bietet flottes Fahren. Dann taucht das ehemalige Benediktinerkloster St. Trudpert auf der linken Seite auf. Vor drei Jahren hatten wir versucht, die Kirche zu besichtigen, waren aber gescheitert, weil sich das Ensemble in Privatbesitz befindet. Diesmal versuchen wir es erst gar nicht und fahren weiter.

St. Trudpert

In Untermünstertal biegen wir links ab auf die L130 in Richtung Kleines Wiesental. Die Strecke ist ein Leckerbissen aus engem Tal, dichten Wäldern, ab und an einer sonnigen Weide und natürlich wieder einer Unzahl an Kurven. Geradeaus geht es hier scheinbar überhaupt nicht. Leider treffen wir nach etwa halber Strecke auf Bauarbeiter, die die Straße ausbessern und offensichtlich schon seit einiger Zeit am Werke sind. Aus einer eigentlich guten Straße ist jetzt ein unglaublicher Flickenteppich geworden, der sich kilometerlang bergauf zieht. Das wäre mit unseren alten Maschinen eine Qual gewesen. So ist es zwar nervend holprig, aber nicht kräftezehrend. Tiger und Babytiger stecken das weg!

Ausblick in Kleine Wiesental

Oben, am Ende der Straße kehren wir im Haldenhof ein. Ein herrlicher Biergarten mit einer großartigen Aussicht erwartet uns. Leider kann es die Schwarzwälder Kirschtorte nicht annähernd mit ihren beiden Vorgängern aus Todtmoos und Lenzkirch aufnehmen – schade!

Derart gestärkt, düsen wir hinab nach Badenweiler. Hier tobt das Kurleben! Ein mondänes Hotel reiht sich an das nächste und die gepflegten Straßen dürfen mit maximal 30 km/h befahren werden. Man könnte ja die Kurenden stören!

Also lassen wir den Ort rasch hinter uns und folgen der L132 bis Sitzenkirch, biegen dort auf die K6313 ab und fahren jetzt quasi im Zick-Zack durch die Landschaft. Die Straßen sind gerade mal ein Auto breit und ohne uns würde hier überhaupt niemand fahren. Käsacker, Marzell, Tegernau, Langensee, Neuenweg und Ober-, sowie Niederböllen sind die Minidörfer, die wir bis Wembach durchfahren, um dann weiter über die K6302 nach Häg zu kommen.

Schwarzwaldpanorama

Zwischen Wembach und Häg dann das Ereignis des Tages: Wir beobachten zufällig, wie ein Kalb geboren wird. Eigentlich wollen wir nur ein Foto von dem herrlichen Panorama (s.o.) machen, als uns eine von ihrer Herde abgesonderte Kuh auffällt, die etwa 100 Meter von uns entfernt mit gespreizten Hinterbeinen da steht und uns anschaut – das Kalb schon zur Hälfte draußen. Dann ein lautes „Muuuhh“ und es plumpst ins Gras. Sofort beginnt die Mutter mit Ablecken und nach wenigen Sekunden hebt das Kleine den Kopf, wackelt mit den Ohren. Wir trollen uns, denn die Mutter schaut ab und an beunruhigt zu uns herüber.

Die Kuh und ihr gerade geborenes Kalb

Zum Abschluss gibt es dann noch hinter Häg auf dem Weg nach Todtmoos eine Reihe von Kurven zum schwindelig werden. Nach 145 km rollen wir müde und zufrieden in die Garage unseres Feriendomizils.

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