Mont Ste. Odile

Wer erkältet ist, geht zum Arzt. Hab ich vor unserem Urlaub gemacht. Was dabei heraus kam, war eine Schachtel Antibiotika verbunden mit der Empfehlung, die Heilige Ottilie zu konsultieren (Wenn Sie schon in der Nähe sind – eigentlich ist sie für Augenleiden zuständig, aber man weiß ja nie…).

Die Heilige Ottilie; In Frankreich: Ste. Odile

Heilige Ottilie? Nie gehört! Nun mag es daran liegen, dass wir der eher moralinsauren evangelischen Gemeinschaft angehören und uns die fröhliche Gläubigkeit an diverse Heilige ungeläufig ist. Aber egal, das Wetter ist schön und warum sollen wir den Mont Ste. Odile im Elsass nicht tatsächlich als Tagesziel nehmen. Vielleicht ist ja sogar noch ein Abstecher nach Straßburg mit drin.

Da der Weg etwas weiter ist, als unsere normalen Tagesausflüge, suchen wir den kürzesten Weg nach Frankreich über Kirchzarten und Freiburg heraus – was uns genau dort mitten ins Verkehrschaos stürzt. Schleichend durchqueren wir die Stadt. Danach sind wir tatsächlich rasch in Frankreich, das noch etwas verschlafen vom gestrigen Nationalfeiertag aber dafür schön bunt blau-weiß-rot beflaggt ist. Und wir haben ein deja vue: Die Straßen hier sind fast genauso gerade, wie in Dänemark. Die einzigen Kurven finden sich in Kreisverkehren.

Am Kaiserstuhl – noch geht es nicht nur geradeaus…

Schließlich haben wir die Auffahrt zum Mont Ste. Odile erreicht und befürchten, dass Ottilie entweder nicht zu Hause ist oder heute geschlossen hat. Es ist nämlich außer uns niemand auf dieser Strecke unterwegs. Keiner mit uns und keiner, der entgegen kommt. 11 Kilometer durch finsteren, feuchten Wald. Man denkt sich eben sein Teil…

Eingang zum Kloster

Oben dann das Kloster. Es hat nicht geschlossen, gute und kostenlose Parkplätze für die Maschinen sind vorhanden und es gibt sogar wärmenden Sonnenschein. Lassen wir uns also überraschen, ob hier auch so ein Devotionalienrummel herrscht, wie zum Beispiel bei 14-Heiligen, oder ob man sich tatsächlich in Ruhe auf diesen Ort besinnen kann.

Ottiliens Sarg

Letzteres ist der Fall! Es wird allenthalben darauf hingewiesen, dass es sich um einen Ort der Stille und des Gebetes handelt und man sich bitte dementsprechend benehmen möge. Und wirklich: Die Leute tun es! In den verschiedenen Kapellen wird nicht laut herum gequatscht und es flackern auch keine Blitzlichtgewitter. Wir ziehen mit einer gewissen Andächtigkeit von Raum zu Raum. Vorbei an Ottiliens Sarg, vorbei an unzähligen Opferkerzen und durch verschiedenste Andachtsräume. Mal prunkvoll, mal schlicht, aber immer klein und heimelig. Schön ist es hier!

Opferkerzen

Am Ende dieses Rundganges finden wir uns auf einer Gartenanlage mit grandioser Aussicht wieder, auf der noch zwei weitere Kapellen zu bewundern sind und auf der drei uralte Linden stehen. Eine davon ist innen hohl und man kann in sie hineintreten. Allerdings müssen wir uns anstellen, in den Baum wollen viele.

Grandiose Aussicht vom Klostergarten
Das Kloster auf dem Berg

Ich bin gespannt, was mich dort erwartet, denn einige der vor uns stehenden machen im Baum Gesichter, als würde ihnen Ottilie höchst persönlich erscheinen, andere benehmen sich, als hätten sie das Zentrum einer fernöstlichen Heilslehre betreten. Als ich endlich dran bin, überkommt mich dann doch ein wenig Ehrfurcht. Das alte, abgewetzte Holz dieses Baumes zu berühren, hat schon was besonderes und fast vollständig umschlossen von der Außenhülle des Veteranen, stellt sich tatsächlich auch ein gewisses Wohlgefühl ein (hoffentlich mache ich jetzt nicht auch so ein vergeistigtes Gesicht…).

Im Baum

Wieder zurück im Hier und Heute, gibt es einen Imbiss in der Pilgerstube und danach machen wir uns auf den Weg zur Magischen Quelle, die einst Ottilie hier im Berg fand und damit einen Aussätzigen zu heilen vermochte – so die Legende. Allerdings ist der Weg steil, schmal und dauert aller et retour 20 Minuten. Das ist nichts im Motorrad-Dress mit Helm und Tankrucksack in der Hand, ohne Wanderstiefel und -stöcke. Schade!

Mit den Maschinen zur Quelle

Aber es gibt eine Straße zur Quelle und einige Minuten später sind wir dort angekommen. Jetzt stehen wir wieder in einer Schlange, nämlich um an die Quelle zu kommen. Die Gruppe Vergeistigter aus dem Baum füllt sich das Wasser flaschenweise ab. Wir haben zwar auch zwei Flaschen dabei, aber in einer ist Eistee und in der anderen profanes Mineralwasser von Edeka. Es wird wohl reichen, wenn wir unsere Gesichter mit dem Quellwasser benetzen.

Nützt’s nix, so schad’s auch nix…

Ob man es auch trinken kann, bekomme ich mit meinen rudimentären Französischkenntnissen nicht heraus (die hier und jetzt zu verbessern wäre übrigens ein echtes Wunder gewesen, denn das hatten vor Jahrzehnten schon zahlreiche Lehrer erfolglos versucht). Ergo lassen wir es und nehmen Abschied von Kloster, Quelle und von Ottilie.

Straßburg ist leider nicht mehr drin. Die Zeit ist uns mal wieder davon gelaufen. Hatten wir etwa eine Stunde geplant, sind es inzwischen reichlich drei geworden und das Navi sagt, dass wir selbst ohne Stadtausflug erst gegen 19:30 Uhr wieder zu Hause sein werden. Gut, fahren wir also direkt zurück. Soll doch das Navi mal versuchen, anstatt der endlos geraden Straßen, Kurven zu finden.

Canal du Rhône au Rhin – auch hier keine Kurven…

Und so bummeln wir mal um ein Feld herum, zuckeln durch Miniaturdörfer, queren diesen Fluss oder auch jenen Kanal und fahren schließlich mit irgendeiner Fähre über den Rhein.

Letzteres ist übrigens noch einmal so ein richtiges französisches Verkehrslehrstück. Alle offensichtlichen Zufahrten zum Anleger sind mit einer Spardose ausgeschildert, versehen mit dem Zusatz, Zufahrt nur für berechtigte Fahrzeuge. Frage, wie kommt man auf die Fähre und wer bitte ist dazu berechtigt? Noch während ich nachdenke, brettert ein Claas Mähdrescher durch die gesperrten Zufahrten und erreicht gerade noch das schon ablegende Schiff. Aha! So geht das hier!

An der Fähre über den Rhein

Nun, wir finden schließlich auch einen legalen Zugang und nutzen ihn, um mit der nächsten Fahrt überzusetzen. Aber einen Festmacher oder Einweiser, wie wir es z.B. vom Nord-Ostsee-Kanal kennen, gibt es hier nicht. Die letzten Fahrzeuge fahren auf, als die Fähre bereits ablegt und noch bevor sie wieder fest liegt, düsen die ersten wieder los. Frankreich eben!

Kaffeepause am Schwabentor

Der Rest ist schnell erzählt: Das Bummeln wird uns langweilig und wir fahren über die B3 nach Freiburg; machen dort am Schwabentor eine Kaffeepause und begeben uns derart gestärkt wieder auf den Weg in unser Feriendomiizil.

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