Clue de Barles und Pässe von hinten

Die Sachen sind gepackt, die Maschinen startklar. Ich kann es mir nicht verkneifen, bei der Abfahrt vom Hof über meinem Tourenanzug die Kutte mit all den Patches aus ganz Europa zu tragen – auch, wenn ich sie nach etwa 50 Kilometern wegen der zunehmenden Hitze wieder im Koffer verstaue.

Gorges de la Méouge

Zu dritt fahren wir jetzt quer durch die abgeernteten Lavendelfelder Richtung Osten. Es riecht nicht ganz so intensiv, wie im vorletzten Jahr und auch die Straße ist inzwischen geteert worden. Heute heißt es also nicht „Rodeo im Seifenladen“ sondern die Fahrt genießen. Schließlich durchqueren wir die Gorges de la Méouge, was auch wieder etwas für’s Auge ist, und erreichen Sisteron. Eigentlich wollte ich über Authon durch die Berge nach Digne-les-Bains, aber irgendwie verpasse ich den Abzweig und jetzt muss es eben über die N85 gehen.

Richtung Verdaches

In Digne-les-Bains biegen wir dann von der Hauptroute ab in Richtung Verdaches. Die kleine D900A soll und durch eine der vielen Balcony-Roads führen und wir sind sehr gespannt. Zunächst ist das Tal noch recht weitläufig, wird aber zusehends enger. Bis wir schließlich in einer sehr engen Schlucht sind und durch die Clue de Barles und die Clue de Verdaches fahren. Wirklich sehenswert, aber leider viel zu kurz. Nach nur wenigen Kilometern sind wir wieder auf der D900 und fahren nach Barcelonnette, wo wir ein Hotel gebucht haben.

Clue de Barles
Clue de Verdaches

Am nächsten Morgen geht es zunächst zum Col de Vars. Hier haben wir einen angenehmen Einstieg in die Gebirgswelt der französischen Alpen und deren Pass-Straßen. Nur die Annahme, dass die anspruchsvollen Pässe von der Südflanke her leichter zu befahren sind, erweist sich für mich als falsch. Am Col du Galibier erwischt mich die Höhenangst.

Col de Vars
Geschafft! Der erste Pass!

Vor zwei Jahren war ich mit unserem Großen von der Nordseite gekommen und hatte ohne große Probleme die Passhöhe erklommen. Weder Kehren noch Fotos ins Tal waren ein Problem. Damals! Heute geht es auf der deutlich weniger steilen, dafür aber schmalen und kaum begrenzten Südauffahrt bergan – und das mit weiten Ausblicken in die Tiefe. Für Normalmenschen sicher faszinierend, ergreift mich die Panik, je länger ich hier fahre. Der rechte Straßenrand wird zum Feind, die Straßenmitte meine Zuflucht. Das sehen die Talfahrer natürlich völlig anders und so eiere ich den Pass hinauf, immer hoffend, dass es bald zu Ende sein möge. Fast oben, am Tunnel, schaltet die Ampel gerade auf grün, als ich ankomme. Nichts wie durch und ab ins Tal. Dass ich damit dem Rest der Truppe den Gipfel vermasselt habe, kommt mir überhaupt nicht in den Sinn. Unten ärgere ich mich dann über mich selbst…

Südrampe des Col du Galibier

Am Ende des Col du Telegraphe, in Saint-Michel-de-Maurienne, die nächste Überraschung: Die 500er hat keinen Druck mehr auf der Hinterradbremse. Damit sind weitere Passfahrten für heute erledigt und wir fahren zu zweit über die Autobahn um die Berge herum nach Moûtiers, unserem Tagesziel. Unser Großer nimmt den eigentlich eingeplanten Col de la Madeleine aber noch mit. Wir treffen uns am Hotel.

Und weil es ja noch nicht genug Ärger gab, stellen sich der Ort, unser Quartier und die umliegenden Restaurants auch als recht bescheiden heraus. Das Hotel ist zwar einigermaßen sauber, aber arg primitiv. Der Ort gibt gar nichts her, es ist finster und kalt, und die Restaurants haben weitgehend geschlossen. Hier ist man ganz offenbar nur auf Wintersport eingestellt – und im Sommer ist dann alles verlassen.

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