Zu den Bernhardinern

Am nächsten Morgen ein Telefonat mit Steffen unserem „Hausschrauber“, wie das mit der Bremse wohl angehen könne, wo wir doch noch eine Inspektion kurz vor der Reise hatten durchführen lassen. Es herrscht Ratlosigkeit am anderen Ende der Leitung. Egal, wenn wir die beiden St. Bernhards, den kleinen und den großen heute noch schaffen wollen, muss die nächst beste Honda-Werkstatt angefahren werden – und die liegt glücklicherweise auf unserem Weg, in Bourg-Saint-Maurice.

Der Werkstattinhaber hört sich unser Leid an und grinst: Ihr seid den Galibier runter gefahren – oder? Ja, ja, da braucht man spezielle Bremsflüssigkeit, nicht so was Normales! Nach gut 30 Minuten ist das Normale gegen Spezielles ausgetauscht, die Bremse geht wieder und Öl hat er auch gleich nachgefüllt. Wir erklimmen den Kleinen St. Bernhard.

Oben auf dem Kl. St. Bernhard

Meine Höhenangst ist zwar immer noch da, aber heute ist es bei weitem nicht so schlimm, wie gestern. Der Berg macht richtig Spaß und sogar die Aussichten in die Weite sind nicht fürchterlich, sondern fast schon phantastisch. Oben ist es ziemlich kalt und fast menschenleer. Wir wärmen uns in einer Bude an Cappuccino und bewundern einen – nein, es ist kein Bernhardiner – Berner Sennhund. Was für ein schönes Tier… Einen Bernhardiner sehen wir nur aus Plastik, über-lebensgroß und auf Rollen. Zum Fotografieren, für Touris wie uns!

Abwärts fahrend wird es zunehmend wärmer und die in meiner Erinnerung hakeligen Kehren am Ende der Abfahrt, kurz vor Pré-Saint-Didier, sind abwärts eigentlich völlig harmlos – wenn nicht ein Betonlaster rücksichtslos ohne Warnsignal die Außenfahrbahn nutzen würde, um die Kurve zu schaffen. Der vor uns fahrende PKW weicht erschrocken nach rechts aus, bremst heftig und kommt gerade noch vor der Felswand zum Stehen. Plötzlich schiebt mein Gepäck von hinten. Das war knapp.

Am Ende des Passes, in Pré-Saint-Didier, belohnen wir uns mit einem großen Steak auf sonnen-beschienener Terrasse und mit Ausblick auf den das Aostatal abschließenden Montblanc! So geht Genuss!

Auffahrt zum Gr. St. Bernhard

Bis Aosta nehmen wir die Autobahn. Der Tag ist schon ziemlich fortgeschritten und wir wollen noch den Großen St. Bernhard erklimmen, denn ganz oben im Hospiz, dort, wo die echten Bernhardiner gezüchtet werden, haben wir für die Nacht gebucht.

Die Auffahrt geht flott voran. Keine Höhenangst, keine Panik, nur Genussfahren! Kehre an Kehre, Galerie an Galerie, so klettern wir konstant dem Ziel entgegen und als wir ankommen, liegt das Hospiz im späten Sonnenschein des frühen Abends postkartengleich vor uns. Herrlich!

Rückwärts in die „Garage“

Ich bekomme an der Rezeption den Zimmerschlüssel und einen Schlüssel für die Garage, in der wir die Maschinen parken können. „Die Garage ist hier gleich hinter dem Haus“, sagt der Portier und ich gehe suchen. Hinter dem Haus steht ein großer Container für Bauschutt. Dann folgt Fels. Garage? Fehlanzeige! Auf Nachfrage zeigt der Portier auf eine Holztür zwischen Container und Hauswand, die offenbar eine Felshöhle Abschließt. Das sei die Garage.

Wir schließen auf und — befinden uns im in den Fels gehauenen Bierkeller des Hotels. Hier hinein jonglieren wir die drei Maschinen, rückwärts und bergab, bis sie ganz hinten im Keller einen ausreichend großen Standplatz gefunden haben. Die Bernhardiner sind inzwischen schlafen gegangen und die Hundezucht ist geschlossen.

Drei Freunde im Bierkeller…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.