Über die Gorges du Verdon zum Rodeo im Seifenladen

Auf dem Weg in die Gorges

Nach einem guten Frühstück machen wir uns ausgeruht auf den Weg zu den Gorges du Verdon. Kaum Verkehr, angenehme Morgenkühle und eine wirklich schöne Landschaft. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Und tatsächlich: Die Schlucht ist spektakulär. Zwischen 250 und 700 Metern tief hat sich die Verdon in das Gebirge gegraben und zumeist sehr steile und enge Schluchten von 21 km Länge geformt. Wir haben uns die Route auf der Nordost-Seite des Canyons ausgesucht, weil die Straße hier eine große Schleife macht, auf der es viele Aussichtspunkte geben soll.

Straße am Rande der Schlucht

Das aber stellt sich als Fehler heraus, denn am Morgen haben wir meist Gegenlicht, was die Sicht deutlich einschränkt und die Straße führt häufig durch Wald oder dichten Bewuchs. Erst etwa 3 km hinter La Palud sur Verdon wird es von den Aussichten her wieder richtig interessant.

Gorges du Verdun

Am Ende des Canyons, in Moustiers Stainte-Marie entscheiden wir uns, rasch zur A51 zu fahren, um die Strecke bis Sisteron auf der Autobahn zurück zu legen. Danach soll es quer hinüber nach Suze la Rousse gehen.

In Sisteron, einem kleinen Ort an der Durance biegen wir von der Autobahn ab und fahren durch schier endlose Apfelplantagen nach Westen. Dann geht es auf die D942 wie durch ein Tor aus Felsen hindurch und wir befinden uns in den Gorges de la Méouge, den Schluchten des Flüsschens Méouge.

Baden in der Méouge

Sicher ist es hier nicht so spektakulär, wie in den Gorges du Verdon, aber man ist viel näher am Geschehen, soll heißen, näher am Fluss und näher an den vielen Badegästen, die hier oben an der auf halber Höhe gelegenen Straße ihre Autos geparkt haben, um dann mit Sack und Pack zum Baden hinunter zu klettern. Wir sind angenehm überrascht und genießen Tal, Straße und Fahrt.

Die Landschaft weitet sich

Danach weitet sich die Landschaft. Es beginnt intensiv nach Lavendel zu riechen und wir suchen die dazu gehörigen Felder. Die sind aber meist bereits abgeerntet – woher also dieser intensive Geruch? Es dauert eine Weile, bis wir verstehen, dass es nicht eines einzelnen Feldes bedarf, um den Geruch zu erzeugen, sondern dass die gesamte Landschaft so riecht. Entlang blühender Felder intensiver als neben abgeernteten, nahezu unerträglich in der Nähe von Bauernhöfen, die ihre Lavendelernte zu großen, rechteckigen Haufen zusammengeschoben und mit beschwerten Planen zum Trocknen abgedeckt haben. Hier hat man das Gefühl, in ein Stück Lavendelseife gebissen zu haben. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend.

Rodeo durch Lavendelfelder

Und die Strecke? Nun, die Straße gleicht einem Flickenteppich und Dennis vergleicht unsere flotte Fahrt nicht ganz zu Unrecht mit einem Rodeo. OK, dann also Rodeo im Seifenladen. Beruhigend ist dabei, dass unsere Helme keinerlei Insektenspuren aufweisen. Lavendel vertreibt bekanntlich Motten – und offenbar auch alles andere, was sonst so in der Luft herumfliegt.

Viel verändert sich während dieses Nachmittages nicht an der Landschaft und ihrem Geruch und erst ab Nyons gehen die Lavendelfelder langsam in Weinplantagen über. Wir nähern uns dem Rhonetal und damit unserem Tagesziel Suze la Rousse.

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