Weiter nach Süden

Um 7:00 Uhr haben wir alle Sachen wieder auf die Maschinen gepackt. Ein kurzes Frühstück und um 8:30 Uhr lassen wir diesen schrecklichen Campingplatz hinter uns. Kurz darauf passieren wir die spanische Grenze. In Sekundenschnelle ist es 9:30 Uhr und es ist bereits jetzt sengend heiß. Irgendwie viel heißer als die Tage zuvor. Obwohl wir uns schon recht gut an die Temperaturen gewöhnt haben, empfinden wir es heute als unangenehm.

Beitrag 14.00

Landschaftlich haben wir jetzt nicht gerade Spaniens Sahnestück vor uns. Es ist leicht hügelig, insgesamt aber ziemlich flach und aussagelos, d.h. eher langweilig und eine durchgehende Küstenstraße gibt es auch nicht, weil man den Parque Nacional de Doñana weitläufig im Landesinneren umfahren muss. Daher entscheiden wir uns, auf der Autobahn wieder mal Strecke zu machen und düsen ab in Richtung Sevilla.

Eigentlich müssten wir hier einen Abstecher durch die Stadt machen – wer weiß, ob wir jemals wieder herkommen – aber bereits das langsame Fahren über die vielen Autobahnkreuze wird zur Qual wegen der Hitze. Öffnet man das Helmvisier, ist der Fahrwind heißer als wenn man es zulässt. Später werden uns die Motorradfahrer des Motorradclubs von Faro, die wir in Gibraltar treffen, berichten, dass heute die Temperatur in und um Sevilla mit 44° C (man beachte: das sind Schattentemperaturen) ein Jahreshoch erreicht hat. Damit bleibt Sevilla was es vorher auch schon war: Eine Stadt, die wir nicht besichtigt haben.

Wir fahren also die AP4 weiter in Richtung Süden, nach Jerez de la Frontera, der Stadt des Sherrys. Unterwegs kehren wir in einer Raststätte ein, einfach um uns in den klimatisierten Räumen etwas abzukühlen und um wieder auf „normale Betriebstemperatur“ zu kommen. Jerez liegt in einer ziemlich flachen Gegend. Es riecht nach Alkohol, als könnte man sich einfach im Vorbeifahren betrinken – auch nicht übel.

Beitrag 14.01

Unser Ziel ist aber Cadiz, die älteste Stadt oder zumindest eine der ältesten Städte Europas. Es ist ein langer Weg um die Bucht herum, bis wir die Stadt erreicht haben. Aber es hat sich gelohnt! Nicht nur, dass es hier angenehm kühl ist (ca. 37° C zeigt unser Thermometer), nein die Stadt ist sehr sauber und sehr hübsch. Nicht gerade die Vorstädte, aber die Altstadt, durch die wir langsam und nach einem Parkplatz ausschauend hindurchrollen. Prächtige Häuser, reizvoll angelegte Plätze und Parks, wunderbare Aussichten aufs Meer – aber leider nicht ein Quadratmeter zum Parken. Alles schon belegt. Nun, wir rollen ein wenig kreuz und quer durch diese schöne Stadt und machen hier und da ein Foto. Dann geht es wieder zurück auf die Autobahn in Richtung Gibraltar.

Kurz hinter Cadiz endet die Autobahn und wir sind wieder auf der Landstraße. Außerdem wird es hier etwas bergiger und damit optisch auch interessanter. Die Fahrt auf der N340 macht sogar richtig Spaß. Kurz vor El Lentiscal sind wir dann an der Küste angekommen und suchen einen Campingplatz für die Nacht.

Beitrag 14.02

Der ist auch rasch gefunden. Der erste Eindruck ist prima: Es gibt ein Schwimmbad, ein Restaurant, einen Supermarkt, Strand, saubere Waschhäuser und ein ruhiges Plätzchen, auf dem wir unsere Zelte aufbauen können. Also: Schnell alles herrichten und dann ab ins Wasser. Baden im Atlantik vor der Kulisse des Atlasgebirges in Afrika. Das hatte ich noch nicht in meinem Leben. Wirklich beeindruckend!

Wirklich beeindruckend ist auch die Nacht: Mehrere Zelte an verschiedenen Stellen des Platzes stellen sich als Discozentren heraus, die mit unterschiedlicher Musik in sich überbietender Lautstärke um die Gunst des zeltenden Publikums wetteifern – und dieses fährt mit seinen Autos fast die ganze Nacht dementsprechend kreuz und quer über den Platz. Zunächst befürchte ich, dass mit zunehmender Alkoholisierung dieser Verkehrsteilnehmer unsere Maschinen Gefahr laufen, umgefahren zu werden – und diese damit unweigerlich in unseren Zelten landen würden. Aber irgendwann gegen 4:00 Uhr in der Früh schlafe ich einfach ein.

Wir haben dem Platz das Prädikat „Jailhouse Camp“ verliehen. Unsere Maschinen und die Zelte sehen am nächsten Morgen aus als hätten wir in einem Sandsturm übernachtet. Die Wege auf dem Platz sind nicht befestigt und die Herumfahrenden einen beachtlichen Teil des Waldbodens in Form einer gleichmäßig dicken Staubschicht auf unserem Hab und Gut verteilt. Wir trösten uns damit, dass man den Discoteilnehmern die durchzechte Nacht und ihren dicken Kopf direkt ansieht.

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