Eine Nacht im Dunstkreis von Giovanni Paolo Maggini

Von Sundalsøra nach Inderøy

Sonnabend, 8. Juli 2006 – Strecke: 335 km – Fahrzeit ca. 7 Std.

Es regnet noch immer. Nicht viel, aber konstant. Heute wollen wir nach Gjøra zum 156 m hohen Svøufossen in der Schlucht Jenstadjuvet und hoffen, daß – so wie gestern – der Regen nachläßt, wenn wir in das Landesinnere fahren. Aber heute ist es genau umgekehrt. In Gjøra angekommen ist von der Landschaft rein gar nichts mehr zu sehen und es schüttet wie aus Eimern. Außerdem ist es richtig kalt geworden.

Wir fahren also weiter, ohne den Wasserfall gesehen zu haben und hoffen, im Gebiet um Oppdal, einem bekannten Wintersportort, vielleicht ein paar Wolkenlücken zu erwischen. Fehlanzeige. Oppdal präsentiert sich im dicken Nebel und vom Wintersportgebiet sehen wir lediglich die Hinweisschilder zu Schleppliften und Seilbahnen. Es muß hier also Berge geben, nur zu sehen sind sie nicht.

Da unser Tagesziel Trondheim ist, steht zur Auswahl ob wir auf der E6 dorthin fahren oder im nahe gelegenen Berkåk auf den RV700 wechseln. Die Entscheidung fällt leicht: Auf der E6 ist wenig Verkehr und wieder in die Berge zu fahren, verbietet der Nebel. Es bleibt also bei der Hauptstraße, die sich landschaftlich und fahrerisch als durchaus angenehm entpuppt.

Blick auf Trondheim

Zögerlich wird die Sicht im Tagesverlauf besser. In Trondheim hört es endlich auf zu regnen. Wir suchen die Jugendherberge mit Hilfe des GPS und natürlich einen Yamaha-Händler zum Auswechseln des kaputten Blinkers. Der Yamaha-Händler ist entweder pleite oder umgezogen, denn der Laden ist verlassen, und die Jugendherberge ist ausgebucht. Immerhin reserviert man uns ein Zimmer in der nächsten Herberge, die sich auf der Halbinsel Inderøy befindet.

Irgend etwas Besonderes muß in der Stadt los sein an diesem Wochenende. Am Dom hatten wir bereits viele Hochzeitspaare und Menschen in Landestrachten gesehen, kaum einen Parkplatz bekommen, um das GPS einzuschalten und von einem Parkwächter auch ziemlich schnell einen Anranzer erhalten, daß wir doch baldmöglichst weiterfahren sollten. OK, das machen wir jetzt. Die 65 km bis Inderøy schaffen wir heute auch noch.

Liebliche Landschaft auf Inderøy

Zwar finden wir zunächst nicht den richtigen Abzweig von der E6 nach Inderøy, aber über den RV761 kommen wir dann eben via Straumen dort hin, wohin wir wollen. Die Herberge befindet sich in einem Haus, das die norwegische Volkshochschule verwendet und wir sind die einzigen Gäste – außer einem internationalen Kammermusikkurs unter der Leitung des berühmten Maggini-Quartetts.

Natürlich wissen wir nicht, wer Maggini ist oder war und so geben wir uns alle Mühe, zwischen all diesen völlig Durchgeistigten, mit geschulterter Bratsche oder geschlepptem Cello, wehenden Haares durch die Räume irrenden Musici, uns nicht als motorradfahrende Kunstbanausen zu outen – und verschwinden im hauseigenen Internetcafé. Da kennen sich die anderen nämlich nicht aus…

Aber wir. Deshalb wissen wir auch ein paar Stunden später, daß – auch wenn der Name höchst banale Assoziationen weckt – Giovanni Paolo Maggini ein berühmter italienischer Geigenbauer gewesen, das nach ihm benannte Quartett aus England kommt, auch ziemlich berühmt ist und daß dieser Kurs morgen, am Sonntag, zu Ende geht. So!

Straumen, Inderøy

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