Auf zum RV17, dem Kystriksveien

Sonntag, 9. Juli 2006 – Strecke: 336 km – Fahrzeit ca. 6 1/2 Std.

Von Inderøy nach Brønnøysund

Das Wetter hat sich endgültig beruhigt. Vom Regen keine Spur mehr. Die vergeistigten Musiker gönnen sich ein opulentes Frühstück und nehmen uns profane Erdlinge überhaupt nicht zur Kenntnis. Wir hatten nämlich, zwar unwissend aber paßgenau, gestern unsere Teilnahme am Frühstück mitbezahlt.

Volltreffer! Was für ein Tagesanfang: Lachs, mehrere Sorten Shrimps, Würstchen und Fleischklößchen, diverse Käse- und Wurstsorten, Rührei und Süßes, was das Herz begehrt – z.B. Erdbeermarmelade, um sie auf den Geitost, den braunen norwegischen Ziegenkäse, zu streichen. Wir schlemmen bis zum Abwinken!

„Jugendherberge“ auf Inderøy

Dann geht es zum RV17, dem so genannten Kystriksvei. Dieser soll uns für die nächsten drei Tage die Schönheiten der norwegischen Atlantikküste nahebringen – quasi als Pendant zum RV13, der uns ja mehr durch das innere Bergland geführt hatte. Gleich hinter Steinkjer biegen wir nach links von der E6 ab.

Abschied vom Inland

Zunächst sieht die Landschaft auch hier aus, wie in Österreich oder in den flacheren Teilen der Schweiz. Die Berge sind eher vom Format eines Mittelgebirges und die Täler grün und weit. Ab und an finden sich Hinweisschilder für besonders gute Angelplätze in den kleinen, aber schnell fließenden Flüssen. Ehrlich gesagt, bin ich etwas enttäuscht: Hier ist weit und breit kein Atlantik. Dafür aber mehrere geschlossene Tankstellen. Es ist Sonntag!

RV17: DIE Küstenstraße

Irgendwann werden die Berge wieder höher, die Täler wieder enger und schließlich kommen wir in Holm an, dem Abfahrtsort der Fähre nach Vennesund auf der Insel Sømna. Jetzt sind wir wirklich am Atlantik und plötzlich ändert sich das Panorama.

Fähren, Fähren, Fähren…

Es ist nur ein kurzer Übergang zwischen bewaldetem Mittelgebirge und steilen Felsen, die direkt ins Meer fallen und es sieht zunächst sogar ganz danach aus, als würden auf Sømna kaum noch bewaldete Berge sein. So schlimm ist es dann doch nicht. Auch hier gibt es noch liebliche Ecken. Dennoch wird die Landschaft zunehmend rauher und wilder.

In Brønnøysund suchen wir ziemlich verzweifelt den Campingplatz Skogmo – an dem wir tatsächlich längst vorbei gefahren sind… Nun, das beschert uns einen Ausflug zum Torghatten, dem so genannten „Lochfelsen“. Der heißt so, weil er mitten drin ein großes Loch hat, von dem niemand recht weiß, woher es stammt. Der Sage nach soll ein Pfeil des Hestemannen den Berg durchschlagen haben. Man kann das heute nur noch schwer nachvollziehen, denn der ist inzwischen selbst zu einem Berg auf der Polarkreisinsel Hestmona geworden, rund 130 Kilometer Luftlinie nördlich von hier, weil er sich – ein Riese aus Jotunheimen – nicht rechtzeitig vor dem Sonnenaufgang versteckt hatte, wie es die elbischen Wesen eben tun sollen.

Die Küste bei Brønnøysund

Wie dem auch sei, immerhin ist das Loch 166 Meter lang, 75 Meter hoch und zwischen 15 und 28 Metern breit. Das waren noch Pfeile damals! Und was sind angesichts dessen schon 130 Kilometer…

Gemütliches Camping in Brønnøysund

Durch diese Fahrt machen wir außerdem Bekanntschaft mit einer abenteuerlichen Brückenkonstruktion, die, aus Beton, mit steilen Rampen und von filigraner Erscheinung ein eher nebensächlich erscheinendes Gewässer überspannt. Später erfahren wir, daß unter genau dieser Brücke das Postschiff hindurch fährt, das täglich um 16:00 Uhr Brønnøysund anläuft. Da hier sonst nicht allzuviel los zu sein scheint, ist die Schiffsankunft natürlich eine der ganz großen Attraktionen des Ortes für die Touristen.

Eigentlich sind wir dafür sogar ziemlich paßgenau an Ort und Stelle, aber weil wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts von dem Spektakel wissen, fallen uns lediglich die Leute auf, die zum Hafen gehen. Bislang war die Stadt nämlich wie ausgestorben gewesen.

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