Es gibt kein schlechtes Wetter…

Donnerstag, 13. Juli 2006 – Strecke: 358 km – Fahrzeit ca. 8 Std.

Von Harstadt nach Sandnes

Das Wetter hat sich über die Nacht gehalten und wir wollen die Fähre nach Sørrolles nehmen, um über die 848 und die 851 endgültig an die E6 zu fahren. Jetzt sind wir schon so weit im Norden, daß es, ohne längere Fährfahrten in Kauf zu nehmen, keine echten Alternativen mehr zu dieser Hauptroute gibt. Leider beginnt es auf der Fährfahrt wieder zu regnen und die Insel Rolla hüllt sich in Wolken.

Wieder Regen…

Inzwischen nehmen wir diese Wetterumschwünge aber mit einer gewissen Gelassenheit hin und fahren nach der alten norddeutschen Regel: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung.

Mit dieser Einstellung macht die Fahrt auf den herrlich kurvigen, einspurigen Straßen dann doch noch Spaß. Ab und an fehlt ein Stück Straße. Meist unangekündigt. Und ein Mal auch in einer Kurve, die sehr eng um einen Felsen führt und an deren Außenflanke man eine beachtliche Anzahl von Metern steil in den Astafjord hinunterfallen kann. Dann der Tunnel zwischen Rolla und Andørja. Trotz der unzähligen Tunnel, die bereits hinter uns liegen, ist er bemerkenswert, denn zunächst geht es mit 11% Gefälle steil hinunter, dann auf 114 Metern unter der Meeresoberfläche etwa 2 km unter dem Bygden geradeaus und anschließend mit derselben Steigung wieder hinauf ans Tageslicht. Ja, und mit der Brücke von Andørja zum Festland verabschieden wir uns für diese Reise endgültig von den Nebenstraßen, den kleinen Inseln und Fjorden.

Abschied von den Versteralen

Aber halt! Wir haben ja noch die 851 vor uns! Und die führt uns hinter dem Ort Sjøvegan durch den inneren Teil des Salangen in eine völlig andere Landschaft als wir sie bisher erlebt haben. Wir fahren durch ein Gebiet, das Bildern aus dem sommerlichen Sibirien ähnelt. Flache lichte Birkenwälter säumen die Straße, an der sich der ebenso flache Salangselva entlangwindet. Keine Häuser, kein Verkehr. Wir sind hier völlig allein. Dazu der Regen, die dunklen Wolken wie eine Decke über uns ausgebreitet, das ist Stimmung in Moll. Man kann beinahe die Balalaika hören und ich frage mich, ob es wohl so bleiben wird bis hinauf zum Kap?

Von der Landschaft wäre das sicher kein Problem, aber von der Straße her ganz bestimmt. Die ist nämlich voller Querrinnen, schüttelt uns kräftig durch und verursacht böse Stöße. Die Federung der Maschinen und unsere Rücken haben einiges wegzustecken. Wollten wir der Tortour ausweichen, wären höchstens 30 km/h Geschwindigkeit angezeigt und unser Ziel in weite Ferne gerückt. Von da her hoffen wir geradezu, bald an die E6 zu kommen.

Troll-Kafé

Und dann ist es geschafft. E6: Links abbiegen! Von nun an heißt es „Strecke machen“. Ziel Nordkap! Diese Straße macht uns das leicht. Immer noch wenig Verkehr, wenig von der Landschaft zu sehen. Da kann und sollte man schon mal gut ein paar Kilometer abreißen, ohne durch schöne Aussichten oder gar Fotopausen gestört zu werden. Vom Wasserfall Målselvfoss, dem Takelvdal und der sich anschließenden sumpfigen Hochebene bekommen wir nicht viel mit.

Etwas kurios empfinden wir die Verkehrsschilder auf denen angegeben ist, daß es zum Beispiel bis nach Kirkenes noch 952 km sind. Solche Entfernungen sind uns doch etwas fremd. Andererseits ist es natürlich angenehm, daß die Angaben nur noch dreistellig sind. Am Südkap war das noch ganz anders…

In Skibotn am Lyngen haben wir Hunger und finden im „Troll Kafé“ ein trockenes Plätzchen. Kaum sind wir im ersten Stock, dort ist das Restaurant, werden wir auch schon auf Deutsch angesprochen. Sehen wir so deutsch aus? Wir haben doch noch gar nichts gesagt? Etwas verdutzt registrieren wir, daß auch die an der Wand ausgehängten Menüvorschläge in Norwegisch, Deutsch und Finnisch geschrieben sind. Alle weiteren Dialoge werden natürlich auch wie selbstverständlich auf Deutsch geführt – denn das Lokal gehört zwei Deutschen. Er in der Küche und sie bedient.

Skibotten

Als wir das Restaurant verlassen, sind die Straßen schon weitgehend abgetrocknet und die Sonne ist wieder hinter den Wolken hervorgekommen. Derart gestärkt in jeder Hinsicht, geht die Reise weiter. Schnell geht sie weiter, denn hier am Lyngen ist die E6 sehr gut ausgebaut und man darf 90 km/h fahren. Wir schlagen noch die sicher recht hohe norwegische Mehrwertsteuer drauf und schaffen daher ein gutes Stück unseres Weges bis zum Abend. Am Straumfjord bleiben wir in einer kleinen Hütte für zwei Personen auf dem Campingplatz Sandnes, direkt an der Straße, was überhaupt kein Problem ist, denn der Verkehr ist hier oben noch weiter ausgedünnt als in der Gegend um Trondheim.

Mini-Hütte in Sandnes

Die Horrorgeschichten von den Karawanen aus Wohnmobilen und LKWs, die im Track gen Norden ziehen, können wir wirklich nicht bestätigen. Zwischen Skibotn und hier sind uns auf etwa 130 km vielleicht 10 oder 20 Fahrzeuge entgegen gekommen, überholt haben wir weniger als eine Hand voll Wohnmobile und uns überholt hat niemand…

Hendrik ist – wie bereits seit Tagen – fest davon überzeugt, daß nach Regenfahrten das Motorrad geputzt werden muß. Und so ganz unrecht hat er damit sicher nicht, denn Sand und Schmutz setzen sich bei Regen noch viel leichter in Lagern und Kette ab als an trockenen Tagen. Nur war es die letzten Tage doch sehr auffällig, daß wenn er abends geputzt hatte, es am nächsten Tag noch mehr Regen gab. Na ja, Aberglaube bringt Unglück. Deshalb darf er auch heute wieder alles blank wienern.

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