Ein Abstecher zu Carl Larsson

Mittwoch, 19. Juli 2006 – Gefahrene Strecke: 249 km – Fahrzeit ca. 3 1/2 Std.

Von Hudiksvall nach Falun

Hendrik hat schlecht geschlafen. Bis weit nach Mitternacht haben die Jugendlichen mit ihren Ghettoblastern herumgespielt und mit den Türen geknallt – man kann sich denken, daß ich nichts davon mitbekommen habe. Aber es ist ja auch eine Jugendherberge und wir sind bestenfalls noch Berufsjugendliche. Nun rächt er sich, indem er jetzt, um 7:00 Uhr morgens, recht schön laut herumklappert und durch die Gänge trampelt…

Unser Ziel heute ist der Wintersportort Falun. Doch zuvor steht ein Besuch im Carl Larsson Museum in Sundborn, 10 Kilometer nord-östlich von Falun, auf dem Plan. Larsson wird als einer der berühmtesten schwedischen Maler bezeichnet. Er lebte von 1853 bis 1919 und wurde in Deutschland vornehmlich durch die Aquarelle bekannt,

Schwedische Seenlandschaft

auf denen sein Haus und sein Familienleben abgebildet sind. Die Schweden sehen in ihm aber auch einen Reformer, der eine für damalige Zeit ungewöhnliche Wohn- und Lebenskultur schuf, die sich im Inneren des heute noch von der Familie genutzten Hauses zeigt. Sie bezog die Bedürfnisse aller Familienmitglieder mit ein, also auch die seiner Ehefrau Karin und der Kinder, was damals ungewöhnlich war. In diesem Sinne stellt das Museum heute eine Art Gesamtkunstwerk dar, das wir unbedingt besuchen wollen.

Provinz Dalarna

Aber zunächst machen wir bei herrlichem Sonnenschein und angenehmer Wärme via Sörforsa mal wieder den Versuch, die E4 zu umgehen. Auch in Hudiksvall hatte die Tankstelle keine Detailkarte – in Schweden scheinen alle Leute alle Straßen im Kopf zu haben. Deshalb endet unser Ausflug nach 24 Kilometern Umrunden von Schlaglöchern und Enduropistenfahren bei Iggesund letztlich doch wieder auf der Küstenautobahn.

Dennoch: Heute geben wir nicht auf! Wir wollten von Sörforsa über Nianfors nach Bollnäs fahren und jetzt weist ein Schild nach Nianfors. Hier verlassen wir endgültig die langweilige E4!

Überall Seen und Wälder

Was für ein Tag! Was für eine Fahrt! Genau so, wie wir es uns vorgestellt hatten, erreichen wir die 83 über kleine Nebenstraßen. Fahren durch Bollnäs und wechseln auf die 50 nach Falun. Es geht durch dunkle Nadelwälder und lichten Mischwald, über sanfte Höhen und weit geschwungene Täler. Auf den Sommerwiesen stehen einzelne Häuser und kleine Orte, tiefblaue Seen spiegeln glitzernd das Sonnenlicht. Eine Szenerie ist schöner als die andere. Dazu riecht es wieder nach frischem Holz, nach Sommerwiese, nach dem ersten gemähten Heu.

Außer uns fährt auf der 50 fast niemand, so daß wir uns diesen Eindrücken voll hingeben können. Hier als Künstler zu leben, kaum Sorgen mit der Familie und mit der materiellen Sicherheit zu haben – denn die hatte Larsson nicht – und solche Tage zu genießen, das kann nur zu genau den Heile-Welt-Bildern führen, die er gemalt hat.

In Sundborn bei Carl Larsson

Mittags kommen wir schließlich in Sundborn an und schauen uns das Larsson’sche Gesamtkunstwerk an. Natürlich ist es ein ziemlicher Touristenrummel, aber wir sind vom Nordkap derart verwöhnt, daß uns dieser Platz zwar nicht gerade einsam, zumindest aber normal besucht vorkommt. Die Führung durch das Anwesen ist deutschsprachig, wir sind nur vier Personen in der Gruppe. So werden wir eine 3/4 Stunde durch die einzelnen Räume geführt und haben reichlich Gelegenheit, den Fremdenführer nach Details zu befragen. Ich genieße die Wiedererkennungseffekte zwischen Haus, Garten und den Bildern, deren Drucke bei mir zu Hause im Flur hängen. Wer hier in der Gegend ist, sollte sich diesen Abstecher unbedingt gönnen.

In Falun bleiben wir wieder einmal in der JH. Wir sind einfach zu faul, die Zelte auszupacken. Die Herbergseltern sind ausgesprochen nett und da wir uns kurzfristig entschlossen haben, morgen für zwei Tage nach Stockholm zu fahren, bucht uns der Herbergsvater dort ein Zimmer.

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