FV17 – Kystriksveien

Wer von Moskenes kommt, landet in Bodø, dieser Stadt, die nach der Manhattan-Metrik gebaut wurde (alles rechtwinklig, keine Diagonalen) und deren Charme einem Betonblock gleicht. Von hier starten wir auf die rund 800 km nach Trondheim über die Küstenstraße Nr. 17. 2 ½ Tage werden wir dazu brauchen.


Dickes Wetter
Dickes Wetter

Sonntag, 8:00 Uhr: Die Fahrt beginnt bei 11 Grad im Regen – kein Platzregen, aber konstant viel. Bis alles auf die Maschinen gepackt ist, sind wir schon gut nass. Dann geht es los, über Straßen, die heute völlig leer sind und durch eine Landschaft, von der wir wegen der tief hängenden Wolken so gut wie nichts sehen. Schade! Ganz kurz denken wir darüber nach, doch die E6 zu nehmen, denn ob wir hier nichts sehen oder dort…? Aber wenn das Wetter besser werden sollte, dann sicher an der Küste zuerst. Also bleiben wir auf dem FV17.

Außerdem ist das Schlaggeräusch bei meiner Maschine wieder da, das sich in Dänemark nach dem heftigen Regen vor Århus eingestellt hatte. In Kirkenes hatte ich Kettenspray gekauft und die Kette geölt. Danach war das Geräusch weg. Jetzt, im Regen, ist es plötzlich wieder da. Liegt es an der Kälte oder nur am Regen? Ist es wirklich die Kette? Was fliegt mir demnächst um die Ohren? Ein ungutes Gefühl begleitet mich den ganzen Tag.

Wolken und Sonne
Wolken und Sonne

Gegen 11:30 Uhr hört der Regen auf. Die Wolken verziehen sich ein Stück weit nach oben und eröffnen uns interessante Ausblicke in die Fjorde, auf Inseln und auf den Svartisengletscher, den zweitgrößten Gletscher Norwegens. Vor 47 Jahren reichte er noch bis in den Fjord.

Svartisengletscher
Svartisengletscher

Glück gehabt, es bleibt trocken! Nachdem wir in Nesna auf dem Campingplatz eine Hütte bezogen haben, sitzen wir noch ein Weilchen am Hafen und beobachten das Spiel aus Sonne und Wolken. Fähren fahren keine mehr, die Angler gehen langsam nach Hause (oder in ihre Wohnmobile), es kehrt völlige Stille ein in diesem winzigen Ort.

Abend in Nesna
Abend in Nesna

Montag, 6:00 Uhr: Wenn wir um 8:10 Uhr die Fähre nach Levang bekommen und vorher noch tanken wollen, muss der Tag jetzt beginnen. Aber, kaum zu glauben, wir sind mit dem Einpacken, Aufrödeln und Tanken so schnell fertig, dass wir gerade noch auf die 7:15 Uhr-Fähre rollen können. Da haben wir gut Zeit gewonnen, die wir für Fotostopps und ein genüssliches Inselhopping bis Namsos nutzen wollen – denn heute scheint wieder die Sonne und viele Fähren liegen auf dem Weg.

Inselhopping
Inselhopping

Wie unberechenbar die sind, merken wir dann gleich in Tjøtta, an der nächsten Fähre. Um 8:50 Uhr sollte sie fahren, wir sind 10 Minuten vorher am Anleger, aber diese Abfahrt gibt es nicht. Das Schiff liegt sehr wohl am Anleger, wird aber erst einmal schamponiert und geschrubbt, die Besatzung fährt mit dem Rettungsboot im Hafen Amok, der Kapitän schwätzt mit allen möglichen Leuten und es passiert rein gar nichts. Wir besorgen uns ein Frühstück im nahe gelegenen Kaufmannsladen.

Inzwischen haben sich die Wartegassen gut mit Fahrzeugen gefüllt und es ist 10:30 Uhr geworden. Wie gewonnen, so zerronnen, aber mit der Zeit hatten wir es ja in diesem Urlaub ohnehin nicht so…

Die sieben Schwestern
Die sieben Schwestern

Dann erscheint plötzlich besagter Kapitän und teilt uns Motorradfahrern mit, dass die Fähre 10:40 Uhr Verspätung hat und wir, wenn wir wollten, mit ihm fahren könnten. Sein Ziel sei auch Forvik, aber er sei „der Zug, der an allen Unterwegsbahnhöfen hält“. Egal, wir fahren auf sein Schiff und machen mit ihm eine Minikreuzfahrt zu kleinen und kleinsten Inseln der Gegend. Auch schön! (Kaum abgelegt, kommt die andere Fähre…)

Die letzte Fähre
Die letzte Fähre

Und so geht es den ganzen Tag weiter: Mal sind es nur 17 km bis zum Inselende, mal über 60. Mal fahren wir 20 Minuten Fähre, mal eine Stunde. Insgesamt sind es heute fünf Fähren mit knapp 2 ½ Stunden Fahrzeit und den entsprechenden Wartezeiten. Aber genau das macht ja den Reiz dieses Küstenweges aus: Wir fahren immer zwischen Meer und Bergen, um jede Bucht herum und ab und an auch über den einen oder anderen Höhenzug hinweg, um dann mit der nächsten Fähre zur nächsten Insel zu gelangen – wo das Spiel von vorn beginnt.

Fjorde wie Seen
Fjorde wie Seen

Der FV17 ist – ganz im Gegensatz zu den Straßen der Vortage – von recht guter Qualität und als gegen 17:30 Uhr eine kleine Gewitterwolke ihre nasse Fracht über uns ablädt, merken wir erst, wie müde wir doch sind. Plötzlich stören uns die Längsrillen der Schneeschieber vom Winter, plötzlich wird uns kalt. Gut, dass wir nur noch 60 km bis Namsos haben.


Dienstag: Der letzte Tag auf dem FV17. Eigentlich ist es nur ein halber Tag, denn rund 150 km vor Trondheim endet der Weg auf der E6. Und die wollen wir heute fahren, um möglichst rasch nach Sundalsøra zu kommen, dem Ausgangspunkt für Trollstigen und Dalsnibba am Mittwoch.

Wie zu erwarten, ist die Fahrt auf der E6 eine Tortour, denn es ist ein nicht endender Track gen Trondheim, bei dem Überholen wegen des Gegenverkehrs entweder unmöglich oder auch einfach nur unsinnig ist.

Regen, Regen, Regen...
Regen, Regen, Regen…
Der Regen hat ein Ende!
Der Regen hat ein Ende!

Hinter Trondheim dann ein übler Platzregen vom Format dessen vor Århus – nur diesmal stehen wir auf der Tanke unter einem schützenden Dach. Glück gehabt! Leider regnet es dann doch bis Sundalsøra ziemlich konstant und wir werden wieder recht nass. Dort angekommen, sind wir beide der Meinung, dass man uns heute einen gebrauchten Tag angedreht hat.

 

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