Schon wieder die Zeit…

Patina
Patina

Morgens: Sonne! Das ist ja kaum zu glauben. Sollte es wirklich ein paar Tage hintereinander trocken bleiben? Und das, obwohl ich gestern Abend die Maschinen vom ärgsten Dreck befreit habe…? (Bei meiner Norwegenfahrt vor 10 Jahren war es ein sicheres Indiz für Regen am nächsten Tag, wenn Hendrik – mein Begleiter – abends seine Maschine geputzt hatte.)

Egal, freuen wir uns einfach und hoffen auf eine flotte Fahrt zur ersten Fähre des Tages. Unser Tagesziel ist nämlich Andenes auf der Insel Andøja, zu erreichen über die Senja-Insel, ein landschaftliches Kleinod im hohen Norden des Landes, und via Tromsø. Dorthin gibt es allerdings zwei Wege. Einen längeren über Land und einen kürzeren mit zwei Fähren. Der Landweg ist gute 60 km länger – und das ist bei 80 km/h Vmax schon beachtlich.

Auf zur Fähre
Auf zur Fähre

Aber dann: Lange Strecken der E6 sind auf 60 km/h begrenzt und viele Abschnitte entsprechen nicht der Qualität, die man einer solchen Straße zuordnen würde. Üble Querrinnen, Schlaglöcher und Baustellen ohne Straßenbelag verteilen kurze, aber heftige Schläge an Maschinen und Knochen. So vergeht mehr Zeit als geplant und wir erreichen erst gegen 11:00 Uhr die Fähre in Olderdalen. Dann geht es gut 20 Minuten mit 12 Knoten über den Olderfjord nach Lyngseidet – auch kein Geschwindigkeitsrekord.

Über den Olderfjord
Über den Olderfjord

Durch Tromsø geht es schnell. Von der Eismeerkathedrale über die große Brücke und ab in den Tunnel. Ich komme mir vor, wie in Monte Carlo. Unter der Erde ein Kreisverkehr nach dem anderen und spätestens nach dem dritten ist die Orientierung dahin. Nach etwa fünf oder sechs dieser Ampelersatzmaßnahmen sind wir wieder am Tageslicht – allerdings jeder woanders. Wir haben uns verloren. Da hilft nur am Straßenrand warten und hoffen, dass das Telefon gleich läutet. Nur, wo stehe ich überhaupt? Direkt am Flughafen! An einer vierspurigen Straße vor einer Brücke, über die die Flugzeuge rollen, um danach mit unglaublichem Düsengebrüll zu starten. Ein idealer Platz zum Telefonieren!

Nach 20 Minuten haben wir uns wieder und es geht weiter auf die Insel Kvaløja, wo wir der Beschilderung zur Senja-Fähre folgen. Dann ein Schild, dass der Tunnel nach Sommarøja gesperrt ist. Das muss uns ja nicht interessieren, solange der nicht auch auf dem Weg zur Fähre liegt. Tut er aber! Allerdings ist das erst nach etwa 10 weiteren Kilometern so ausgeschildert, dass es für uns eindeutig ist. Ein freundlicher Norweger hilft und zeigt auf unserer Karte eine Alternative: „Ist nur ein kleiner Umweg, vielleicht 10 Kilometer.“

Kvaløja
Kvaløja

Tatsächlich sind es über 30 Kilometer Umweg und die Straße wird schließlich so klein und schmal, dass sie schon keine Nummer mehr hat (dementsprechend auch ihr Zustand). Als wir die Fähre in Brensholmen erreichen ist es bereits später Nachmittag. Dass wir dann quasi ohne Wartezeit mitgenommen werden ist zwar ein glücklicher Umstand, löst aber nicht das Problem, eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Andenes ist heute nicht mehr erreichbar. Die Zeit ist uns davon gelaufen.

Senja
Senja

Und das merken wir drastisch daran, dass die wenigen Schlafgelegenheiten auf der Insel bereits vor- und ausgebucht sind. Also machen wir noch eine kleine Inselrundfahrt bis Skaland und bleiben im Skaland Motell. Einer komfortablen, aber sehr eigenwilligen Bleibe. Abendessen: „Sagen Sie, was sie essen möchten. Ich koche das für Sie.“ Und so geschah es. Frühstück: „Sagen Sie, was und wann Sie frühstücken möchten. Wir machen das immer ganz individuell für jeden Gast.“ Mal sehen, wie das morgen wird.

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