Trollstigen – und tschüß!

Es ist doch immer wieder ein Genuss, morgens in nasse Klamotten zu steigen. Aber was soll’s, der Wetterbericht hat Sonne bis 16:00 Uhr versprochen und die muss genutzt werden. Auf dem Weg nach Andalsnes gibt es wieder eine kurze, aber heftige Marterstrecke zum Vistdalsheia hinauf, ansonsten ist es eine schöne Fahrt.

Das Wetter ist wieder besser...
Das Wetter ist wieder besser…
Stigfossen
Stigfossen

Trollstigen: Wir treffen auf den zu erwartenden Track aus Bussen, Wohnmobilen und allerlei anderen Gefährten, die sich im Bergfahren üben. Es ist kein Vorankommen. Kehren im Schrittempo und an einer muss ich sogar gut 20 Meter rückwärts rollen, damit einer der Busse durch die Kurve kommt.

Oben ist alles anders geworden. Früher waren hier am Parkplatz lauter Buden, die warme Getränke und Souvenirs verkauften. Jetzt ist alles „fein säuberlich“ und „architektonisch ansprechend“ betoniert und die Verkaufsläden incl. einem Café sind voll durchkommerzialisiert. Es hat viel, sehr viel vom alten Charme verloren! Nicht dagegen die Abfahrt nach Linge, die ist mit ihren fast 40 km immer noch so schön und flott, wie vor 5 oder 10 Jahren.

Abfahrt vom Trollstigen
Abfahrt vom Trollstigen

In Eidsdal haben wir Hunger und setzen uns auf die Terrasse einer Art Bar, auf der bereits eine Reihe von Motorradfahrern auf ihr Esssen wartet. Wir hätten weiterfahren sollen. Der Besitzer ist freundlich, aber etwas hektisch, nimmt unsere Bestellung auf und vergisst sie dann gleich wieder. Nach gut 15 Minuten kommt er raus und fragt laut in die Runde, wer schon bestellt hat – Ergebnis: alle. Dann geht er von Tisch zu Tisch und erkundigt sich, was man bestellt habe.

Jetzt passiert lange Zeit gar nichts. Schließlich kommt er mit einer stattlichen Anzahl von Burgern, die er der Motorradtruppe andienen möchte. Die sind etwas erstaunt, denn offenbar entspricht seine Auswahl nicht ganz deren Bestellung. Man einigt sich. Wir werden bei der Gelegenheit noch einmal gefragt, ob und was wir wohl bestellt haben.

Wieder passiert längere Zeit nichts. Dann bekommen auch die letzten der Truppe einen Burger und sogar wir sind mit dran. Aus dem „wir essen mal schnell etwas“ sind inzwischen gut 70 Minuten geworden. Es ist 15:30 Uhr und die Sonne ist auch weg. Unser Zeitplan für heute ist im Eimer aber der Hunger ist weg. Immerhin!

Geirangerfjord vom Ørnesving
Geirangerfjord vom Ørnesving

Dann der Ørnesving, der Aussichtsbalkon 600m über dem Geirangerfjord. Die Wolken sind hoch und die Aussicht phantastisch! Hier muss man wirklich mal gewesen sein. Leider gibt es beim Bergabfahren in einer Kehre ein kleines Missverständnis mit einem Wohnmobil, was zu einem Umfaller mit verbogenem Schalt- und abgebrochenem Kupplungshebel an der 500er führt. Na ja, letzteren haben in Reserve dabei. Dalsnibba ist damit – und auch aus Zeitgründen – nicht mehr drin. Wir nehmen die Fähre nach Hellesylt und suchen dort ein Quartier. Es regnet wieder.

Jugendherberge in Hellesylt
Jugendherberge in Hellesylt

Die Jugendherberge in Hellesylt besteht zum größten Teil aus aufgeschichteten Wohncontainern, bietet aber Motelzimmer und Hütten mit an. Unser Motelzimmer ist eine Winzigkeit von Raum mit Doppelstockbett, eine Dusche, aus der es riecht, als hätte sie mindestens ein Jahr niemand benutzt, nichts zu essen, nichts zu trinken. Wir gehen an unsere eiserne Reserve: Trockennahrung für Trackingfans von Globetrotter (Powerfresschen oder Überlebenstraining – wie man’s auch immer nennen mag) und bereiten sie in der Küche mit heißem Wasser selbst zu.

Lukull stand nicht gerade Pate...
Lukull stand nicht gerade Pate…

Das ganze Etablissement steht voll Mobiliar vom Sperrmüll und in diversen Kühlschränken auf den Fluren, stapeln sich Haushaltsreiniger, Papiertücher und andere Reinigungsutensilien. Zu Hause wäre das kaum als Unterkunft für Erntehelfer durchgegangen.

Es reicht! Wir wollen nach Hause! Seit zwei Wochen nur Hot Dogs, Pizza und Burger, bestenfalls mal das „breitgefächerte“ Angebot einer Dönerbude, dazu winzigste Hütten oder Hotels, deren Standard immer schlechter wird, je weiter wir nach Süden vorankommen, immer angewiesen auf Restkontingente, weil alle anderen vorgebucht haben. Und das zu horrenden Preisen. Unter 90 Euro pro Nacht – ohne Frühstück natürlich – ist kaum etwas zu haben; 2 Burger und 2 Cola sind mit etwa 35 Euronen zu veranschlagen. Wir entschließen uns, über Oslo/Kopenhagen auf kürzestem Weg nach Hause zu fahren.

Hellesylt bei Sonnenschein
Hellesylt bei Sonnenschein

Am nächsten Tag ist das Wetter der große Versöhner. Sonne und Wolken, kombiniert mit der landschaftlich schönen E16 und flottem Vorankommen, lassen uns doch über einen Umweg nachdenken.

E16 durch Ottadalen
E16 durch Ottadalen

Und in Folge dessen biegen wir in Randen von der E16 auf die 51 ab, die uns 130 km durch Jotunheimen nach Fagernes führt. Eine sehr, sehr gute Entscheidung!

Jotunheimen
Jotunheimen

Landschaft wie aus dem Bilderbuch: Lichte Wälder, ab und an ein paar Hütten, auch mal ein Hotel, aber insgesamt große Einsamkeit, leuchtend blaue Seen und flache, schnell fließende Flüsse, sanfte Hügel und schroffe Berge mit Schneefeldern und eine kalte windige Weite wie auf den Fjellen hoch im Norden. Einfach großartig!

Endlose Weite Valdresflya
Endlose Weite Valdresflya

Wer einen Umweg macht, kann auch einen zweiten fahren. Und so finden wir am Randsfjord eine Hütte, die tatsächlich urlaubstauglich ist. Gemütlich eingerichtet, sauber, ausreichend groß und angeschlossen an ein Restaurant, in dem es sogar Schnitzel oder gebratene Scholle gibt (nein, zu den Preisen sage ich jetzt nichts!). Wir fühlen uns seit Wochen mal so rundum wohl – selbst, wenn die gewünschte Fähre für morgen komplett ausgebucht ist, das Internet nicht funktioniert und wir deshalb hier noch einen faulen Tag abwarten dürfen!

Unser Chaos in der Hütten
Unser Chaos in der Hütten

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